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Noa

Noa kam 10 Wochen zu früh zur Welt. Nur 1030 Gramm leicht, 36 Zentimeter klein – und trotzdem voller Kraft. Eine schwere Schwangerschaftsvergiftung (HELLP) machte einen Notkaiserschnitt notwendig, um das Leben von Mutter und Kind zu retten. Die ersten sechs Wochen ihres Lebens verbrachte Noa auf der Neonatologie. Dort wuchs sie, kämpfte und zeigte ihren starken Willen. Sie wurde rund um die Uhr liebevoll umsorgt. Dank Forschung, neuesten Erkenntnissen in der Spitzenmedizin und der hochprofessionellen Pflege konnte ihre Lebensqualität nachhaltig verbessert werden. Heute ist sie 18 Jahre alt, sensibel, willensstark und bereit, ihre eigenen Wege zu gehen.

HELLP. Was wie ein Hilfeschrei klingt, war tatsächlich ein absoluter Notfall. Noa wurde viel zu früh, bei 30+0, in diese Welt geholt. HELLP –  eine lebensbedrohliche Schwangerschaftsvergiftung. Dank des raschen Entscheids der Ärzte kam sie per Notkaiserschnitt zur Welt: 1030 Gramm leicht, 36 Zentimeter klein.

„Ihre Tochter ist eine kleine Kämpferin, sie wird es schaffen.“ Dieser Satz gab mir in den ersten Stunden Halt. Für eine Lungenreifung reichte die Zeit nicht mehr, doch Noa atmete mit Hilfe eines C-PAPs, ohne intubiert werden zu müssen. Ihr Gewicht sank auf 920 Gramm. Nach zehn Tagen hatte sie ihr Geburtsgewicht wieder erreicht.

Nach drei Tagen durfte ich sie zum ersten Mal aus der Isolette nehmen und sie auf meine Brust legen - sogenanntes Känguruen. Zwei, drei Stunden lang einfach nur Nähe, Wärme, Herzschlag. Zwischen den Isoletten stand ein Stuhl, auf dem ich dieses winzige Wesen halten durfte. Diese Stunden waren unser Anker in einer ungewissen Zeit. Auch nachdem ich aus dem Spital entlassen wurde, haben wir sie zweimal täglich besucht, mit ihr geredet, gesungen, gedöst.

Die Betreuerinnen auf der Neonatologie des USZ waren unglaublich einfühlsam. Sie haben uns nicht nur medizinisch begleitet, sondern auch emotional gestützt. Sie erklärten jede kleinste Veränderung, nahmen sich Zeit für Fragen, gaben Mut und Zuversicht. Dank medizinischem Fortschritt, wissenschaftlicher Arbeit und grossem Knowhow in der Pflege können heute Gesundheit und Lebensqualität der betroffenen Kinder deutlich gestärkt werden. 

Nach knapp drei Wochen kam Noa endlich ins Wärmebett – ein riesiger Schritt. Das erste Bad durfte sie mit 1370 Gramm nehmen. Sie war fast kleiner und zerbrechlicher als eine Puppe, aber sie hatte einen unbändigen Willen, bald nach Hause zu kommen.

Genau zu meinem Geburtstag bekam ich das grösste Geschenk: Noa durfte mit einem Gewicht von 2110 Gramm und 44 Zentimetern nach Hause. Vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, nach sechs Wochen auf der Neonatologie. 

Die ersten Jahre waren von vielen Fragen begleitet. Wird sie sich normal entwickeln? Wird sie wachsen? Motorisch alles aufholen? Kognitiv Schritt halten? Sie war medizinisch kleinwüchsig, immer im untersten Bereich der Wachstumskurve. Man sagte uns voraus, sie werde maximal 152 cm gross. 13 Jahre lang spritzten wir Wachstumshormone – erst wir, dann sie selbst. Heute misst sie immerhin 157 cm.

Seit ihrem ersten Lebensjahr trägt sie eine Brille. Und schon als kleines Kind machte sich eine grosse Liebe zu Tieren bemerkbar. Noa ist seit jeher sehr sensibel. Sie nimmt ihre Umwelt und Stimmungen sehr intensiv wahr und braucht darum viel Rückzug. Sie bemerkt oft subtile soziale Nuancen, beschäftigt sich tiefgründig mit ihren Gedanken und Gefühlen. Ob das mit der Frühgeburt zusammenhängt? Vielleicht.

Die Geburt hat auch meinen Alltag schlagartig verändert. Von einem Tag auf den anderen war ich nicht mehr an meinem Arbeitsplatz. Mein Mutterschaftsurlaub begann mit der Geburt – zehn Wochen zu früh – und gleichzeitig ohne mein Kind bei mir. Eine Mutterschaft auf Distanz. Vielleicht gerade deshalb war unsere Beziehung von Anfang an unglaublich eng, eine Verbundenheit, die bis heute besteht.

Heute ist Noa 18 Jahre alt. Sie hat vor kurzem die FMS mit Bravour abgeschlossen, hängt nun die Matura an und möchte Geschichte und Philosophie studieren. Wenn sie eines aus dieser Zeit mitgenommen hat, dann ihre innere Stärke und den Willen, ihre Ziele zu erreichen. Auch wenn es manchmal Umwege braucht.

Was ist HELLP?

Das HELLP-Syndrom ist ein medizinischer Notfall, der für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein kann und eine sofortige Behandlung erfordert. Es ist oft eine ernste Komplikation einer Präeklampsie, kann aber auch ohne Vorwarnung und sehr plötzlich auftreten. Typische Anzeichen sind starke Schmerzen im rechten Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen. Sollten zusätzlich plötzliche, starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen auftreten, sollte man umgehend ärztliche Hilfe holen oder direkt ins Spital fahren. Nur mit einer Blutentnahme kann HELLP eindeutig diagnostiziert werden. Nach der Diagnose ist in den meisten Fällen eine rasche Entbindung notwendig. Selten kann es auch nach der Geburt noch auftreten.

→(https://www.usz.ch/krankheit/schwangerschaftsvergiftung/)